Lies und (p)lausch

Krimi- und Drehbuchautorin Jennifer B. Wind liest, talkt und rezensiert für mywoman.at

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Montag, 15.12.2014, 14:15

Liebe Leser/innen,

gestern habe ich euch den Autor Gerhard Loibelsberger vorgestellt und auch seine Werke. Im Fokus standen dabei sein neuestes Buch „Kaiser, Kraut und Kiberer“, seine neue CD „Loibelsbergers kriminelle Wien-18 Mördersongs“ und die neue Anthologie „Wiener Seele“.


(©Gerhard Loibelsberger)

Zu all diesen Neuerscheinungen habe ich den Autor auf der Buch Messe in Wien befragt und natürlich unterhalten wir uns auch über Privates. Beim Niederschreiben und Überarbeiten habe ich versucht, dem Erzählstil Loibelsbergers treu zu bleiben und seine Stimme nicht zu stark zu verändern und zu beschneiden. Es würde sonst nicht nach Gerhard Loibelsberger klingen. Hier ist also der Autor unplugged, sozusagen. Und wer wissen will, wie der Autor in Action klingt, bekommt einen ersten Eindruck, in den Videos, die ich euch unten angehängt habe.

Aber vorerst viel Spaß mit dem Interview!


(Cover: ©Gmeiner Verlag)


Lieber Gerry, danke, dass du dir Zeit genommen hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Eben ist der Kurzkrimiband „Kaiser, Kraut und Kiberer“ erschienen, in dem Kurzgeschichten rund um deinen Inspektor Nechyba stehen, der mittlerweile Kult ist. Wie kam dir diese Idee, jetzt einen Kurzgeschichtenband mit ihm zu machen.
Ich hab vor 15 Jahren mit den „Naschmarktmorden“ mit der Recherche und mit allem begonnen. Das sind Ableger im Prinzip so Seitenideen, wenn man 4 Romane über Nechyba geschrieben hat und dann den 5. grad schreibt, wo man sich Gedanken macht, wie hat er z. B. seine spätere Frau, die Aurelia kennen gelernt, wie war der Hochzeitsantrag? Und da kommt man dann drauf, der kann einfach nur patschert sein. Daraus entwickelt sich dann z. B. eine Kurzgeschichte. Ich lese beim Recherchieren meiner Romane viel über Kleinkriminalität. Eine Geschichte heißt der Kaudemhalchener. Das ist eine ganz spezifische Art von Kleinkriminellen, die im alten Wien in der Früh, wenn der Hausmeister in Wien das Tor aufgesperrt hat und die Dienstmädln in diesen Herrschaftshäusern, die Herrn des Hauses jeweils oder für die Herrn in den großen Herrschaftswohnungen ihre Anzüge und ihre Schuhe vor die Türe gestellt haben, weil sie geputzt wurden, also abgestaubt und gebürstet, haben sich diese Kaudemhalchener perfekt angezogen, reingeschlichen und geschaut, wo ein perfekter Anzug hängt, haben diesen angezogen und sind verschwunden.
Das waren diese extremen Gegensätze zwischen Armen und Reichen in Wien, das ist etwas, was ich mit großer Sorge heute sehe, dass unsere Gesellschaft wieder dorthin steuert. Es gibt extrem Reiche, die alles haben und extrem Arme. Darum haben diese Kaudemhalchener dies überhaupt weiterverkaufen können. z. B. den jüdischen Wanderhändlern, die diese Stücke dann zum Okkasionspreis erstanden haben. Diese Kriminalität ist bedingt durch die extrem zerrissene Gesellschaft entstanden.




(Cover: ©Gmeiner Verlag)

Das wäre aber auch ein schöner Aufhänger für einen Roman gewesen, wie entscheidest du was Kurzgeschichte bleibt und was Roman
Also es werden in Summe 6 Romane werden, das steht schon fest. Es geht um den Niedergang der Donaumonarchie, das ist die übergeordnete Idee. Ich hab 1903 angefangen, wo es einiger Maßen lebenswert war, also die ganze wirtschaftliche Situation der Menschen in Wien, wo es natürlich auch wahnsinnig viele Arme gegeben hat, z. B. 1908 schon hat es sich ziemlich verschlechtert gehabt, und das ist auch mein zweiter Roman, da war das 60 jährige Jubiläum von Kaiser Franz Josef.
Da habe ich gezeigt, wie einerseits der ganze Prunk zu diesen Jubiläumsfeiern war und andererseits ist damals ein großes journalistisches Werk von Emil Kläger, der Journalist war, erschienen: „Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens“.
Er hat damals bei hundert Tausenden Menschen recherchiert, die damals in den Kanälen gewohnt haben, oder in riesigen Schlafsammelräumen, nicht riesig sondern riesig viele, wo in einem Saal 20 Leute auf engsten Raum nebeneinander übernachtet haben. Das hat er alles recherchiert, auch Fotos gemacht. Dieses Buch ist zeitgleich 1908 erschienen.
Das ist eine tolle Quelle! Dieser Gegensatz von Arm und Reich, das war sehr interessant, das war eben das 2. Buch.



Jenny Wenn man sich anschaut, ähnelt das den Schlafsälen der Asylanten heutzutage.
Das ist schon wieder eine Parallele. Ich schreib diesen Niedergang der Donaumonarchie auch deshalb, weil ich der Überzeugung bin das unsere Gesellschaft jetzt nach dieser Jahrhundertwende sich unangenehmer Weise in diese Richtung entwickelt.


Jenny Stichwort: Bankenkrise, Negativzinsen, die Leute haben das Vertrauen verloren, Asylströme, Kriege, keine Invalidenpension mehr, Hypo-Skandal, Griechenpleite.
Genau! Auch die immer größer werdende Präsenz der Bettler in Wien, und damals hat es viele Bettler und Hausierer in Wien gegeben, die mit irgendeiner Kleinigkeit versucht haben Geld zu verdienen, und das haben wir wieder und das ist natürlich erschreckend. Das war 1908 und 1911 haben ich einen Bericht des damaligen Wiener Bürgermeisters gefunden, einen dicken Jahres-Bericht, was im Jahr 1911 in Wien vorgegangen ist. Da ist besonders auffällig, dass es 1911 besonders viele Brände gegeben hat, das war die Inspiration für Mord und Brand. Die Brände, die ich in meinen Büchern schildere, die hat es wirklich gegeben, ich hab keinen Einzigen erfinden müssen. Ich hab dann die Geschichte natürlich modifiziert.


Verlierst du dich manchmal komplett in den Recherchen, gehst du dabei auf?
Ja, absolut! Und so ist auch dieser Kurzgeschichtenband „Kaiser Kraut und Kiberer“ entstanden, aus dieser Liebe zur Recherche, wo man sich dann verliert.




(Cover: ©Gmeiner Verlag)

„Todeswalzer“ wurde mit dem silbernen Homer ausgezeichnet. Wie fühlt sich das für dich an, ist das quasi eine Bestätigung für deine Arbeit?
Ja, vor allem in Deutschland, das ist ein deutscher Preis von der Creme della Creme der historischen Autoren in Deutschland z. B. Ini Lorentz waren in der Jury und die haben mir und dem Todeswalzer den silbernen Homer in der historischen Kategorie verliehen, das hat mich sehr gefreut. Vor Allem, dass man von sehr erfahrenen und erfolgreichen Kollegen die Anerkennung bekommt, und dass man nicht nur Neid und Missgunst erntet.


Iny Lorentz sind ja beide irrsinnig nett, die sind ja Agentur-Kollegen von mir
Ja beide irrsinnig nett, es ist auch irrsinnig interessant mit ihm zu Diskutieren. Er hat ein riesiges historisches Wissen. Also Chapeau


Jenny, da ist ja er der recherchiert, sie schreibt und er überarbeitet dann wieder.
Er ist derjenige, quasi das historische Lexikon.



Die Serie um Nechyba begann 2009 mit den Nachmarktmorden. Wie bist du auf die Idee dieses Inspektors gekommen mit diesem speziellen historischen Hintergrund?
Du wirst lachen, der ist mir vor 15 oder 16 Jahren in der Früh einmal im Halbschlaf erschienen.




(©Gerhard Loibelsberger)


(lacht) Du hast das auch? Bei mir erscheinen alle Protagonisten in der Nacht am Klo.
Meine beste Zeit ist so im Halbschlaf vor dem Aufwachen, da hab ich plötzlich den Bladen gesehen, wie er dort sitzt am Schreibtisch und isst und trinkt und wie er seinen Unterläufel Abräumen lässt. Das war einen Vision und die war so stark. Bei dem Bladen war sie stark, quasi eine wuchtige Vision. Ich hab mich in der Früh sofort hingesetzt, hab es einmal reingeklopft, dieses 1. Kapitel nach dem Prolog. Ich habe es zwei oder drei Monate in der Schreibtischlade liegen gehabt, habe mich nicht weiter damit beschäftigt und irgendwann ist er dann wieder gekommen. Er hat mir keine Ruhe gelassen, dann habe ich ein 2. Kapitel geschrieben. Dann hat er mir irgendwie geflüstert, er braucht einen Freund und Gegenspieler. Und da ist der Goldblatt in meinen geistigen Visionen aufgetaucht. Der dünne Journalist mit jüdischem Hintergrund. Und so ist der Goldblatt entstanden, der ein schweres Alkoholproblem hatte, zu der Zeit.
Die Leute fragen mich immer, ob ich der Nechyba bin, der Nechyba bin ich sicher net. Ich bin eine Mischung aus Goldblatt und Nechyba.



Wie viel Loiblsberger ist in Nechyba und wieviel in Goldblatt?
50:50 vor allem weil der Goldblatt der wesentlich intellektuellere ist von den Beiden. Der Andere ist viel mehr der Bauchmensch, der intuitive emotionale Ermittler, deswegen redet er mit dem Goldblatt so gerne über seine Fälle, der die intellektuelle Kapazität absolut zu schätzen weiß. Und dessen Assoziationen und dessen Reflexionen. Obwohl er als Kiberer das gar nicht dürfte, das ist ihm wurscht. Der Goldblatt ist wirklich ein geschätzter Gesprächspartner, das zieht sich durch alle Bücher durch, auch wenn sie streiten, sie gehen einander auch ab.


Hast du irgendeine Verbindung zum Judentum?

Ja, schon. Erstens ich hatte in der Jugend eine jüdische Freundin und ich hab dann später auch wieder eine jüdische Freundin gehabt und die hab ich jetzt dann in die Judith von Zweitick so eingearbeitet. Eine Bildrestauratorin. Einer meiner besten Freunde ist auch Jude, 1945 in Tel Aviv geboren. Freddy Stanik ist ein ganz enger Freund, wenn du so willst er und ich sind so wie Nechyba und Goldblatt.




(© Gerhard Loibelsberger)


Mittlerweile sind 4 Romane, ein Kurzgeschichtenband und ein Freizeitführer mit deinem Protagonisten entstanden. Was ist noch geplant?
Ich habe jetzt gerade über den Hunger im Winter 1916 geschrieben, ich fang dann erst im Oktober mit der Ermordung des Ministerpräsident Stürk an, und das geht dann nur die 3 Monate bis Weihnachten und dann den Jänner als Epilog. Es geht um die Schwierigkeit in diesem trüben und kalten Spätherbst und Winter Lebensmittel zu beschaffen. Die Kriminalgeschichte ist eine Schwarzmarkt- und Schiebergeschichte. Und bei den Recherchen wurden meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Leder war eine Rarität und du hast fast jede Woche eine Meldung gehabt, wo Eisenbahnangestellte Züge aufgebrochen haben und Leder verschwinden haben lassen oder 1500 Kilo Käse und so weiter. Und jetzt das Witzigste, und das habe ich noch eingebaut, im Kriegsarchiv bin ich auf einem Rittmeister von Lustig draufgekommen, von der Abteilung im Kriegsministerium, die für die Verpflegung zuständig war, der war der Adjudant des damaligen Kriegsministers des Freiherr von Krobathien. Und dieser Rittmeister von Lustig, den haben sie strafversetzt an die Front im April oder Mai 1917, weil dieses Schlitzohr hat einen Banker dazu überredet, für das Kriegsministerium Bier einzukaufen, die haben auch einen Vertrag geschlossen und das vorfinanziert. Und der Rittmeister von Lustig hat diesen Kranz dazu gezwungen vielmehr Bier einzukaufen auf den knappen Markt als damals benötigt wurde. Und die Konkurrenz hat dann am Schwarzmarkt und Schleichhandel teuer verkauft, so hat sie profitiert. Da sind sie ihm draufgekommen, er ist dann strafversetzt worden, der Kriegsminister Freiherr von Krobathien musste zurücktreten und dem Banker haben sie den Prozess gemacht. Aber wie es in Österreich so ist, wurde das nie ganz aufgedeckt und haben den Prozess dann im Sand verlaufen lassen.




(Cover: ©Gmeiner Verlag)

2012 hast du deinen Nechyba dann etwas verlassen und ein völlig neues Team ins Rennen geschickt. In deinem Venedig Krimi Quadriga, der sich eher wie ein Thriller liest ermitteln Severino und Ranieri in Venedig. Hast du eine besondere Beziehung zu dieser Stadt?
Ich bin in meinem Leben schon rund 100 Mal in Venedig gewesen. Seit meiner frühen Jugend nach der Matura mit 19 Jahren lässt mich Venedig nicht los. Jetzt schreib ich wieder einen Lubino Sevarino Thriller, den habe ich im Frühjahr schon angefangen, da war ich eine Woche in Venedig und Grado, das ist vielmehr eine Mafia Geschichte.



Musik ist auch eine große Liebe von dir. Du bist gleich in 2 Projekten aktiv Deine Rockband DER DRITTE MANN
gibt es seit 35 Jahren. Ihr spielt Rock im Stil der 60er und 70er Jahre mit kritischen, deutschen Texten.
Dann gibt es noch dein avantgardistisches Improvisationsprojekt CLUB DADA, bei dem du eigene schräge Texte rezitierst.
Eben ist eine neue CD erschienen. Was gibt dir Musik?


(Gerhard Loibelsberger im Volkstheater, Rote Bar, bei der CD Präsentation mit dem Club Dada; @Gerhard Loibelsberger)

Musik ist genauso wie Schreiben von Jugend an etwas Essenzielles gewesen, ohne Schreiben einerseits hätte ich mir nicht wirklich vorstellen können zu leben und hab es zu meinem Beruf gemacht, ich war ja 30 Jahre lang Werbe- und PR-Texter. PR Texte mache ich heute noch, habe eine Broschüre letztes Jahr über die Rechte der EU-Bürger gemacht. Das waren alles Gesetzestexte und ich habe das umgebrochen in ein normal lesbares österreichisches Deutsch. Sie haben mich deshalb bewusst angesprochen, da ich schon früher EU Geschichten umgebrochen habe und auf ein normales österreichisches Deutsch umgeändert habe. So was mache ich ganz gerne, das ist eine sprachliche Herausforderung. Von Juristen verfasste Schachtelsätze in zwei drei einfache Sätze aufzugliedern, das ist auch spannend.



(©Mono Verlag)

Du hörst selbst gern Rock, Blues und Jazz aber auch Klassik. Hattest du als Kind jemals vor eine Musikerkarriere anzustreben?
Nein, ich habe auch keine musikalische Ausbildung ich habe mir das Alles selber beigebracht und erarbeitet. Was wirklich meine Stärke ist, das ist meine Stimme, die ich extrem variieren kann, z. B. im Kriminellen Wien, da bin ich eher der Heisere, mein großes Vorbild ist der Georg Danzer gewesen mit seinem Tschick. Von der Tonualität und der Stimmung her.


Aber Gregory Porter magst auch?
Ich liebe Jazz, das ist seit langer Zeit eine wahnsinnige Jazzstimme. Die Alten kenn und lieben wir ja eh alle, aber das war jetzt lange Zeit wenig. Aber Gregory Porter, egal ob er Fazett singt, tief oder in einer normalen Tonlage der hat einen Ausdruck in der Stimme, ganz gewaltig. Diese Aha Erlebnisse auch von Standards, habe ich das letzte Mal beim Frank Sinatra gehabt. Wenn ich ein Styler, den ich schon gekannt habe, das letzte Mal von Frank Sinatra gehört habe, das Jahrzehnte her ist, hab ich gedacht, aha! Genau das kann der Gregory Porter auch perfekt. Der Gregory Porter ist ja ein Bariton und er kommt aber sehr hoch rauf. Er setzt das ja nicht wie der Michael Jackson konsequent ein und ruiniert sich die Stimme damit, sondern er macht das nur punktuell, dort wo es passt. Das ist natürlich faszinierend.





(“Todeswalzer” gibt es auch als Hörbuch im Mono Verlag, vom Autor selbst eingelesen; Cover: ©Mono Verlag)

Die Hörbücher liest du ja selbst ein. Hast du auch ein Sprechtraining gehabt?
Ich hab Mitte dreißig meine Stimme komplett verloren. Ich war dann beim Dr. Kürsten, der hat mir 4 Tage Sprechverbot gegeben und schwere Antibiotika. Dann hat er mich zu einem wunderbaren alten Logopäden auf der Wiedner Hauptstraße geschickt, der hat mir Sprechtechnik und Atemtechnik beigebracht. Der Arzt hat gesagt, ich soll 2 Monate zu ihm hingehen, aber ich war fast ein Jahr dort, er hat mir all das beigebracht, von dem ich heute noch profitier. Die Sauna hat er bei mir gestrichen, ich war ein begeisterter Saunageher, ein zweimal die Woche bin ich in die Sauna, er hat gesagt, trockene Sauna ist ein No Go. Dampfbad hin und wieder aber nicht in die trockene Sauna. „Mit dem Zustand Ihrer Stimmbänder können Sie das für den Rest Ihres Lebens vergessen.“ Und dieser Logopäde war damals schon ein alter Herr, ich weiß nicht mehr wie er geheißen hat, er war eine Koryphäe, er fragte mich: „Wollen Sie wirklich sprechen lernen?“ Z.B. richtige Atemübung und die richtige Haltung, Unterschied zwischen Kopf und Bauchstimme, dem verdanke ich, dass ich heut mit meiner Stimme sehr viel aufführen kann.





(Gerhard Loibelsberger in der Küche; ©Gerhard Loibelsberger)

Nechyba kocht leidenschaftlich gern, Gerhard Loibelsberger auch. Besonders Krautrouladen.
Darf deine Frau noch in die Küche oder ist das dein Revier?


Das ist ein Streitpunkt zwischen uns. (lacht und schüttelt den Kopf) Nein, sie kocht auch wirklich gut. Manchmal ist sie zu hektisch, man darf nicht hudeln beim Kochen, kochen muss man mit Muse, man muss alles einmal herrichten, genau überlegen, die Arbeitsgänge und dann muss man das in Ruhe mit Liebe machen. Und wenn sie manchmal sehr hektisch herumkocht, mag ich das nicht, weil das schmeckt dann meistens ah net guat. Kochen braucht Zeit und deswegen koche meistens ich, weil wenn ich schreibe, dann bekomme ich meistens einen Appetit. Dann schreibe ich über ein Essen, dann bekomme ich noch mehr Appetit und dann hör ich auf, dann gehe ich erstmal in die Küche und koche das Mittagessen.
Und nach dem Mittagessen schreib ich weiter, weil hungrig werde ich wahnsinnig.




(Ob selbst gekocht oder nicht, der Autor isst leidenschaftlich gern und gut! ©Gerhard Loibelsberger)

Darf ich das überhaupt reinschreiben in das Interview?
Ja, freilich, sie kocht ja wirklich gut, wenn sie nicht hektisch ist. Unlängst hat sie in der Früh ein gefülltes Brathendl angefangen, also vorgebraten und als wir zu Mittag gekommen sind schnell mit Oberhitze so knusprig gemacht. Oder eine wunderbare Fülle in der Früh in Ruhe gemacht, das war ein Gedicht, da hab ich die Fülle, extra noch mit Saft beiseite geräumt und sie mir am Abend beim Schreiben noch ein bisserl in der Mikrowelle angewärmt, wie einen Serviettenknödel geschnitten, das war ein Gedicht. Das war so ein Abendhapperl, solche Blödheiten mache ich öfters und hab daher meinen Bauch. (lacht)



Du ladest auch sehr gern Gäste zum Essen ein. Bist du ein sehr geselliger Mensch? War das immer schon so? Warst du generell eher extravertiert?
Nein eigentlich, ich bin nur zu gewissen Gelegenheiten extravertiert, ich bin eigentlich ein introvertierter Mensch. Das merkt man aber nicht. Es gibt da schon zwei verschiedene Loibelsberger: Den Privaten, eigentlich sehr zurückgezogen, ein Grantler und Eremit, aber wenn dann Gäste kommen, das wird geplant generalstabsmäßig, da denke ich drei Tage vorher schon nach wie ich die Speisenabfolge gestalte. Da schau ich schon am Naschmarkt und am Brunnenmarkt, dass ich meine Zutaten kriege. Wenn ich zum Beispiel einen Cous Cous mache, dann möchte ich ihn besonders feinkörnig und nur am Brunnenmarkt gibt es einen Türken, der das hat. Das ist ein Tunesischer Cous Cous. Ich mach jetzt am 22. Jänner im Kulturkabinett in Floridsdorf eine Kaiser Kraut und Kiberer Lesung. Da mache ich den ganzen Nachmittag vorher die Krautrouladen, dann lese ich aus „Kaiser Kraut und Kiberer“ die ganze Geschichte „Krautrouladen.“ Danach können alle kosten. Man muss sich beeilen, es gibt 26 Plätze und 14 sind schon reserviert. Wenn das ein Erfolg ist, kann ich mit dem Herwig Gaster reden, für den Sommer im Kaiserhaus auch so einmal einen Kraut Exzess machen. Allerdings hat er einen guten Koch, mit dem ich mich gut verstehe, und da würde er kochen.



(©Gerhard Loibelsberger)

Hast du als Koch gearbeitet...
Nein, ich hab immer wieder Jobs gehabt, wo ich bei Spitzenköchen in die Küche schauen durfte. Ich hab gefragt, darf ich mithelfen, und sagten, ja von mir aus. Und ich hab mich nicht deppert angestellt, auch dauernd gefragt. Eva Rossmann hat es ähnlich erwischt, sie hat das zu ihrem 2. Beruflichen Standbein gemacht. Also diese Konsequenz habe ich nicht. Bei mir ist es doch das Scheiben und die Musik. Für mich ist die Musik auch schon sehr wichtig.




(Mit dem Club Dada in der roten Bar im Volkstheater; ©Gerhard Loibelsberger)

Wie entspannst du? Oder sind die Musik und das Kochen dein Ausgleich zum Schreiben
Also Kochen ist eine entspannende Geschichte. Und ich gehe auch gerne Einkaufen auf den Nasch- und Brunnenmarkt, sonst habe ich meine Lebensmittelgeschäfte, wo ich gerne vorbeischaue. Ich schau halt ich bin neugierig und das was es halt dann gibt kaufe ich dann. Z. B. Wintergemüse, Pastinaken. Morgen mache ich eine Püree Trist, das eine mache ich mit Karotten, das andere mit Trüffel und Käse. Das Dritte mit kleinen marinierten Lachsstückchen.


Da krieg ich jetzt aber einen Hunger!
Das ist aber immer so, wenn ich lese oder erzähle, dann kriegen die Leute immer an Hunger. (lacht)



Du bist Schreibcoach und ein leidenschaftlicher Förderer junger Talente und Mentor von Autor/innen. Ist dir das ein wichtiges Anliegen und was müsste deiner Meinung nach in Richtung Förderung noch mehr passieren?
Ich finde grundsätzlich, die Förderung von jungen Leuten die Schreiben, oder sagen wir jüngeren als ich, ich möchte Jüngere relativieren. Jungautor ist jemand, der zum Schreiben anfängt, auch ein Vierzigjährige(r) kann ein(e) Jungautor(in) sein. Eben Leute, die das Bedürfnis haben zu schreiben, die sich ernsthaft damit auseinander setzen und die hart daran arbeiten und allmählich respektable Ergebnisse beim Schreiben erzielen. Solche Menschen gehören gefördert und nicht permanent frustriert von den Verlagen. Das kennst du genauso wie ich, den Spießrutenlauf bei Verlagen, auch nachdem ich über 20.000 Stück verkauft habe, wurde ich von über 30 Verlagen abgelehnt.
Da frage ich mich: Wer oder was sitzt in den Lektoraten? Sind das irgendwelche Studenten, die 2 Seiten lesen. Manche lesen auch den Lebenslauf und wenn da steht Alter: 50 Jahre, dann wars das. Das ist doch eine unglaubliche Schweinerei, man kann auch mit 60 eine Jungautorin werden. Ingrid Noll hat mit 60 ihren Erstling publiziert. Man hat ja eine gewisse Lebenserfahrung, die von Vorteil sein kann. Ich finde, Alter ist kein Kriterium. Bei vielen Ausschreibungen steht man darf nur bis 35 einreichen. Das ist ja auch eine Schweinerei.
Ich habe mich in den letzten 5 Jahren in der Krimiszene etabliert und allmählich versucht Kontakte aufzubauen und hab ganz gute Kontakte und da sehe ich immer wieder Geschichten, wo ich mir denke, da muss ich helfen. Letztendlich werde ich nie meine jahrelange Verzweiflung vergessen, der Stoff ist gut, das Buch ist gut, und dann kommt eine Absage nach der anderen. Das war für mich ein jahrelanger Frustrationsprozess. All diese Diskriminierungen sind sowieso dumm und blöd. Ich versuche Menschen, die ich kennen lerne, die ernsthaft und gut schreiben, die auf Grund irgendwelcher Sachen, die keiner versteht, in den Verlagen nicht weiterkommen, zu helfen. Aus dieser eigenen bitteren Erfahrung, dass mir niemand geholfen hat.




(©Gmeiner Verlag)

Du bist Initiator des „Mörda Frühlings“ und hast auch einen Kurztexteband „Wiener Seele“ mit mehreren anderen Autoren herausgebracht. Ist es schwierig heutzutage Kunst und Kultur zu vermitteln?
Das ist die Frage und deswegen ich mache die Literatur im Museum und ich versuche den Mörder Frühling jedes Jahr wieder auf die Beine zu bringen. Ich handle grad mit dem Schauspielhaus, wann wir das nächstes Jahr machen können. Es wird dieses Jahr nur einen Tag geben, aber den möchte ich zumindest machen. Aber das Schauspielhaus will grundsätzlich auch und MORAWA will wieder sponsern. Es ist nur die Situation ein bisschen schwierig, aber ich bin dran und drauf das auf die Beine zu stellen.





Was wäre dein Wunsch für die Zukunft der kreativen Branche in Österreich?
Da wäre mein Wunsch mehr Solidarität untereinander, ganz klar und einfach, auch unter Musikern. Weniger Neid, mehr Solidarität. Und das man wach ist und Möglichkeiten erkennt und sie wahrnimmt und versucht, etwas auf die Beine zu stellen, das weiterverfolgt und sich nicht frustrieren lässt.


Was gibt es als nächstes von dir zu lesen?
Das Buch wird wahrscheinlich „Henker von Wien“ heißen, spielt 1916. In 2 oder 3 Jahren wird es den nächsten Nechyba geben.


Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg mit deinen zahlreichen Projekten.

Nächste Möglichkeit Gerhard Loibelsberger zu erleben:

23. Jänner 2015, 19:30 Uhr
Lesung aus "Kaiser, Kraut & Kiberer"
Ort: Kulturkabinett; Freiligrathplatz 6; 1210 Wien
www.transdanubien.net

ACHTUNG!! HEUTE LETZTER Auftrittstermin 2014 rund um seine neue CD:
15.12.2014, Theater Drachengasse, 20.00 Uhr;

Mehr über den Autor findet ihr auf seiner Website:
www.loibelsberger.at
Auf der Seite des Gmeiner Verlag: www.gmeiner-verlag.de
Oder auf Facebook: www.facebook.com/gerhard.loibelsberger
Mehr zum Club Dada, Videos und die Texte der Songs findet ihr hier: www.clubdada.at

Wenn ihr jetzt neugierig auf den Autor und seine Werke geworden seid, dann könnt ihr hier auch ein Exemplar von „Kaiser, Kraut und Kiberer“ ergattern.

Die Mitmachfragen (sucht euch eine aus):

Was denkt ihr persönlich, macht die Wiener Seele aus?
Was ist das Schöne an Wien?
Was gefällt euch gar nicht?
In Wien leben ja oder nein und warum?



Ich bin gespannt auf eure Antworten!
Viel Glück!

Als nächstes gibt es hier das große Weihnachtsspecial. Seid dabei, ich habe Unmengen an Bücherschmankerl für euch!!

Ich bedanke mich auch für den 50 000. Klick, der gestern erfolgte.

Und jetzt noch viel Spaß mit den Videos!

Bis bald bei Lies und plausch!
Eure Jenny